Vom Weberdorf zur Industriestadt
Entstehung der Stadt Ebersbach/Sa.
Die Stadt Ebersbach/Sa. liegt mitten im Oberlausitzer Bergland, unmittelbar an der Grenze zu Böhmen. Angefangen hat die Besiedelung am schönen Südhang nördlich der Spree, entlang des 'Oberen Kirchweges'. Um die spätmittelalterliche Kapelle herum, welche später in eine mächtige Barockkirche umgebaut wurde, entstand ein Dorfzentrum.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Ebersbach 1306 und als Weichbilddorf Löbaus benannt. Im Hussitenkrieg 1429 völlig niedergebrannt, behielt Ebersbach Jahrzehnte den Beinamen 'Wüstenebersbach'. 1486 wurden nur 7 Häuser gezählt. 1529 erwarben die Herren Ernst und Georg von Schleinitz Ebersbach. Unter ihrer fördernden Grundherrschaft erholte sich das Dorf. Landwirtschaft und Handwerk breiteten sich aus und der Bau der neuen Kirche begann.
Ebersbach/Sa. wird Weberdorf
1597 erwarb die reiche Sechsstadt Zittau unser Ebersbach. Die Leinwandweberei erblühte und somit der Dorfhandel. Aber bereits im 30-jährigen Krieg wurde das Dorf Ebersbach wieder schwer heimgesucht.
Um 1650 siedeln sich evangelische Exulanten aus Böhmen an und brachten den wirtschaftlichen Aufschwung. Endlich um 1729 klapperten die Webstühle in den Häusern wieder. Es waren 360 an der Zahl. Damit konnte der Leinwandgroßhandel beginnen.
Durch seine Leinenindustrie stieg Ebersbach 1776 zum drittwichtigsten Industriestandort im Zittauer Gebiet auf. Es enstand eine eigene Garnbleiche sowie 1782 eine eigene Mangel.
Um 1700 setzte eine rege Bautätigkeit ein. 1733 wurde die Erweiterung der prächtigen Kirche eingeweiht. Sie gehört zu den bedeutendsten Kleinoden dörflicher Barockkirchen.
Unsere heimatlichen Umgebindehäuser, einmalige Schätze der Volksbaukunst, entstanden.
1844 wurde eine Gemeindebibliothek gegründet, eine der ersten ländlichen Bibliotheken in Deutschland. 1856 wurde Ebersbach Amtsgerichtsbezirk und drei Jahre später entstand die älteste Landsparkasse der Oberlausitz.
Gründerjahre in Ebersbach/Sa.
Die eigentliche 'Grundsteinlegung zur Stadterhebung' begann bereits um 1870 , als die Gründerjahre auch in Ebersbach ihren Einzug hielten und das einstige Weberdorf immer mehr städtische Konturen annahm.
1873 wurde Ebersbach Eisenbahnknotenpunkt mit Verbindung nach Dresden, Zittau, Löbau, Reichenberg, Prag.
1877 erfolgte die Vereinigung der beiden Ortsteile Alt- und Neuebersbach.
Mächtige Fabriken läuten das Ende des 'Dorfzeitalters' ein:
Herrmann Wünsche gründete 1868 in Ebersbach die spätere industrielle Welt-Textilfirma 'Herrmann Wünsche'. Diese gehörte zu jenen Fabriken, welche die Industrialisierung wesentlich vorantrieben. In den Folgejahren bot sie ca. 2000 Beschäftigten Arbeit und Lohn. Damit ging die Hausweberei langsam zurück. Aus den ehemaligen Hausarbeitern wurden Fabrikarbeiter.
Auch andere Industriezweige siedelten sich an, so z.B. die Maschinenfabrikation.
Es folgten die Kronleuchterherstellung, Glasraffinerie, Steindruckerei und Kartonagenherstellung, Blumenfabrikation sowie Strickereiwarenfabrik.
1896 wurde das Elektrizitätswerk auf der Haine errichtet, 1911 das Gaswerk und 1913 das Wasserwerk.
Inzwischen besaß Ebersbach ein Schwimmbad, zwei Turnhallen und den Sportplatz.
Neue Straßenzüge entstanden, schmale Wege wurden zu breiten Straßen ausgebaut. Bis an den Waldrand des Schlechteberges wurden mehrstöckige Häuser gebaut.
Eine besondere Bereicherung erhielt Ebersbach 1912/13 durch den Bau der Humboldtbaude auf dem Schlechteberg und die Errichtung des Heimatmuseums.
Geschäftshäuser auf der Bahnhofstraße ersetzten die niedrigen Landhäuser
Zwischen 1882 und 1899 entstanden 3 neue Schulen.
Vom Weberdorf zur Industriestadt
Der beachtenswerte Aufschwung in den vorangegangenen Jahren veranlasst den Gemeinderat unter ihrem verdienstvollen Bürgermeister, Camillo Gocht am 26.05.1925 ein 'Gesuch zur Erhebung der Gemeinde Ebersbach zur Stadt' an die Amtshauptmannschaft Löbau zu richten.
Die wirtschaftliche Entwicklung, der Aufschwung von Industrie, Handel und Gewerbe haben schließlich dazu beigetragen, dass der Gemeinde Ebersbach am 05. September 1925 das Stadtrecht erteilt wurde.
Für den damaligen Bürgermeister Camillo Gocht war dies die Krönung seines Wirkens für die Aufwärtsentwicklung der Gemeinde.
Zu dieser Zeit zählte Ebersbach 9600 Einwohner, davon 3812 Berufstätige, 774 Gewerbetreibende, darunter 171 offene Handelsgeschäfte. Ein Fünftel der Einwohner waren in der Landwirtschaft tätig.
Mit der Stadtgründung ging es in Ebersbach zielstrebig weiter. Noch 1925 konnte ein Bankgebäude auf der Bahnhofstraße erworben werden, in dem die Stadtsparkasse untergebracht wurde.
Die Spree wurde vor allem für verkehrsbauliche Vorhaben begradigt. Der Ortsteil 'Neue Sorge' wuchs weiter. Es entstanden die August-Weise-Siedlung und die Polizeisiedlung.
Die Bahnhofserweiterung und der Bau des Bezirkskrankenhauses erhöhten weiter die Attraktivität des Ortes.
Nachkriegsentwicklung
Der 2. Weltkrieg bedeutete auch hier einen entscheidenden Rückschag in vielerlei Hinsicht. Nur ein umfassender Neubeginn konnte nachfolgend das Leben für eine Vielzahl von Menschen langsam wieder lebenswert machen. Viele Ebersbacher mussten im Krieg ihr Leben lassen, viele Familien verloren ihre Angehörigen, Armut breitete sich aus.
Aber in dieser schweren Zeit hatte nicht Resignation die Oberhand, vielmehr trugen Lebensmut, Zuversicht, Einsatz- und Hilfbereitschaft und viel Idealismus dazu bei auch unsere Heimatstadt weiterhin lebenswert zu erhalten..
Die Einwohnerzahl stieg in Folge der Aufnahme von Umsiedlern auf 12.275 Einwohner.
In den folgenden Jahren entstanden durch fleißige Hände Kindertages- und Sportstätten, neue Schulen und kulturelle Einrichtungen, eine Vielzahl von Wohnungen sowie Einrichtungen zur Altersversorgung. Mit dem Wohnungsbaubeginn 1968/69 im Oberland entstand ein völlig neuer Stadtteil.
Fast die Hälfte unserer Einwohner fand in der von 1965 bis 1989 gebauten Neubausiedlung 'Oberland' ein neues Zuhause.
Es wäre falsch und unwahr, wenn man die in vielen Bereichen positive Entwicklung während der Existenz der DDR leugnen würde. Die Mittel waren gerade in dieser Zeit bis hin zur sogenannten Wende 1989/90 oftmals unzureichend. Umso mehr sind die Leistungen der direkt Beteiligten zu schätzen und zu würdigen.
Nachwendeentwicklung
Persönlich spürte jeder sehr schnell, dass die politische und wirtschaftliche Wende 1989/90 eine wirkliche Wende in verschiedenen Bereichen unseres Lebens bedeutete. Die ersten großen und kleinen Betriebe schlossen und trotz eines neu entstandenen Gewerbegebietes konnten die nun fehlenden Arbeitsplätze nicht ersetzt werden. Industriebrachen entstanden und leerstehende Wohnungen und Häuser wurden zum städtebaulichen Problem.
Im Stadtzentrum begann eine rege Bautätigkeit. Da Ebersbach/Sa. seit 1995 im Bund-Länder-Programm 'Stadtkernsanierung' mitarbeitet, konnten viele private und städtische Baumaßnahmen gefördert werden. So wurden die 'Bahnhofstaße' und der Kreisverkehr fertiggestellt, die 'Schulstraße' 1999 begonnen und 2000 der Markt neu gestaltet.
Dank des Abrisses der 'Stammfabrik' 1998 konnte das Zentrum bis an die 'Hauptstraße/B96' ausgedehnt werden. Es entstanden Bauflächen für eine kleingliedrige Zentrumsbebauung und ein neuer Stadtpark mit Spielbereichen, der am Zusammenfluss der Spree zum Verweilen einlädt. Aus der ehemaligen Lautex-Lehrwerkstatt wurde das neue Verwaltungsgebäude. Die 'Alte Mangel' entstand im neuen Glanz. Die 1945 gesprengte Bahnbrücke wurde zum '2. Blauen Wunder' neu errichtet und verbindet nun wieder die Stadtteile. Vom Schlechteberg grüßt der 1998 eingeweihte Aussichtsturm.
Die neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten führten zu liebevoll erneuerten Fassaden, gepflegten Umgebindehäusern, blühenden Vorgärten.
Der Stadtteil Oberland wird gegenwärtig innerhalb einer Wohnungsverbesserungsmaßnahme lebenswerter und wohnlicher gestaltet.
Kontinuierlich erfolgen Straßenbaumaßnahmen.













